Breaking: Genug ist genug. Die Oper ist elitär, zumeist sinnfrei und sie kostet Unsummen an Subventionen, das sagt heute Hubert Paul Kuchar in einem offenen Brief.

Bizarre Handlungen und stundenlanges Sitzen in schlechter Luft:

Gut bezahlte “Kritiker vom Fach“, die ihre einheitlichen PR-Artikel, für die kaum gelesenen Klassikseiten in den Tageszeitungen schreiben müssen, sehen in allen besuchten Aufführungen deckungsgleich das gleiche Ergebnis, egal wer was wo gerade singt, und jubeln kritiklos mit Worten hoch:  phänomenal, ein Wunder, ein Bravourstück, atemberaubend, meisterhaft, enorme Strahlkraft, unbeschreibliche  Anmut, leuchtende Intensität, unbeschreiblichen Schmelz in der Tonbildung, virtuos, vollendet, begnadet…. Tja, wer nun tatsächlich glaubt so zu funktionieren, der hat keine Notwendigkeit sich weiterzuentwickeln. Das die Wahrnehmungen beim durchschnittlichen Opernbesucher dann doch ganz andere sind,  entgeht den Kritikern bewusst.  Ein historischer Unterhaltungswert also,  für immer weniger tatsächliche interessierte  Zuseher, die oftmals relativ tief in die Tasche greifen müssen,  um dieses ganze Prozedere am Leben zu erhalten.  Und deshalb muss auf Teufel komm raus subventioniert werden.

Nicht weil die Künstler so viel verdienen( bis auf wenige Ausnahmen), nein die oft politisch gewählten Intendanten und Präsidenten lassen sich enorm viel subventioniertes Geld dafür zahlen, das sie etwas produzieren das nicht mehr in die heutige Zeit passt und von den Jugendlichen nicht angenommen wird. Regelmäßig werden ganze Schulklassen dazu verdonnert bei den Generalproben doch bitte anwendend zu sein.  Mit dem Ergebnis, dass es keinen wirklich Interessiert und die Schüler und Schülerinnen angefressen im Besucherraum sitzen. Der Orchesterdirigent schmeißt dann schon mal die Schüler raus, wenn die nicht brav und ruhig sind.  Fast jeder an der Oper spricht öffentlich  immer von Flexibilität und Veränderung, doch in der verstaubten kleinkarierten Opernbranche, in den teilweise gediegenen Büros der Intendanten und Präsidenten, steht die Zeit still, es bewegt sich nichts. Wozu auch?

Dazu kommt eine ziemliche unehrliche, dreiste, nicht öffentliche sowie nicht nachvollziehbare Vergabepraxis in den Opernhäusern  für die bestbezahlten subventionierten nicht öffentlich ausgeschriebenen Rollen, die mit sängerischer, stimmlicher und menschlicher Qualität, Anspruch und Auswahl absolut nichts am Hut hat. Oftmals,  habe ich selbst Vorsingen bei Intendanten, Betriebsbüros und künstlerischen Leitern erlebt, wo ich mir nicht sicher war, warum die überhaupt ein Vorsingen machen und  Künstler  aus  ganz Europa,  im Haus zum Vorsingen haben  wollen. Feedback für die anwesenden Sänger: oftmals Fehlanzeige.  Auf druckvolle Nachfrage von mir bei den richtigen Leuten war dann schnell klar: Die Antwort war stehts dieselbe, die Rollen seien bereits im Vorfeld vergeben worden. Diejenigen die mich besser kennen wissen,  ich habe persönlich unzählige Versuche als interessierter  Manager unternommen,  diese Vergabepraxis zu verändern, jedoch leider ohne nennenswerte Erfolge und irgendwann wird es dann doch mal fad. Das meine erfolgreiche und sehr gut besuchte Klassikwebsite, zwecks kostenloser Promotionmöglichkeit für die Sänger und Sängerinnen sowie für die Opernhäuser,  auch noch gehackt wurde, fügt sich irgendwie ins Bild.

Aus diesen Gründen habe ich mich persönlich entschlossen diesem inzestuösen subventionierten Opern-Gewerbe, nach 8 intensiven Jahren Lebewohl zu sagen. Zu Aufwendig und zu Frustrierend ist diese ganze kleinkarierte Bühnenwelt, die von sich selbst in Anspruch nimmt elitär, edel,  künstlerisch weltoffen und einzigartig zu sein, eine selbstgefällige Hochkultur sozusagen.

Selbstverständlich habe ich tolle und großartige Opernsänger und Opernsängerinnen kennengelernt, viele davon können jedoch trotz Engagement, kaum ihren eigenen Lebensunterhalt finanzieren und halten sich mit alle möglichen zusätzlichen Jobs über Wasser.

Die Musikuniversitäten würden vielen angehenden Sängern und Sängerinnen einen großen Gefallen machen, wenn diese bereits im Vorfeld die Opernbranche etwas näher beleuchten würden, sowie die Jobaussichten realistisch aufzeigen.

Ich kenne viele junge Opernsänger und Opernsängerinnen, die erst dann, nach den ersten Gesprächen mit mir, sowie den ersten Bewerbungen bei Agenturen und Musiktheaterbetrieben  aus allen Wolken gefallen sind, als diese realisierten wie schwierig, ja geradezu unmöglich eine Fixanstellung in einem gehobenen Musiktheaterbetrieb überhaupt ist. Ich persönlich kenne auch viele großartige Mitarbeiter in den künstlerischen Betriebsbüros, die sich bezüglich der inoffiziellen Vergaberichtlinien in den jeweiligen Opernhäusern selbst die Harre raufen, jedoch sind die ohne jede Möglichkeit zu intervenieren. Gekündigt ist man schnell und die Chancen auf einen neuen Job sind dann gleich Null. Zu starr und festgefahren ist das ganze auf Freundschaft und Vetternwirtschaft aufgebaute  System.

Diesen jungen engagierten und visionären Menschen die sich weiterhin eine Öffnung und Veränderung in dieser Branche wünschen und auch daran arbeiten, denen wünsche  ich hier und jetzt ganz viel Erfolg bei der Suche nach dem richtigen Job, dem Engagement im privaten und auch im beruflichen Leben.

Hubert Paul Kuchar

 

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